Alternative Media and the Power of Revolution

pdficon_64“Alternative Media and the Power of Revolution” – Seminar und Filmvorführungen der Rosa Luxemburg Stiftung auf dem WSF

Von Andrea Plöger

Das Seminar fand in zwei Teilen im Media Village des WSF statt und brachte Medieninitiativen aus Tunesien, Ägypten, dem Kongo (DR), Mali, Brasilien und Italien und anderen Ländern zusammen. Die AktivistInnen von Radio Regueb aus der Region Sidi Bouzid, wo die Revolution ihren Anfang nahm, sprachen zuerst von ihrer Arbeit im freien Radio und der Umverteilung von ohnehin sehr knappen Ressourcen durch hauptamtliche RedakteurInnen an (bisher) unbezahlte RedakteurInnen. Ihre Arbeit folgt einem partizipativen Ansatz und verhilft jungen Leuten aus der Region sowohl zu einer Stimme als auch zu einer Ausbildung.

Die generellen Rahmenbedingungen für freie Radios nach der Revolution in Tunesien sind jedoch nicht rosig. Sendelizenzen sind für sie unerschwinglich, so Belhassen Handous von Reporter ohne Grenzen in Tunesien. Nur kommerzielle Sender, bzw. Medienmogule können sich einen FM Sendeplatz leisten im postrevolutionären Tunesien. http://fr.rsf.org/tunisie.html

Ein Beispiel für eine Initiative zur nicht-kommerziellen Unterstützung freier Medien in dieser schwierigen Situation ist das Studio Blech7es in Tunis, das von MusikerInnen und RadiomacherInnen eröffnet wurde und sich durch monatliche Beiträge von ca. 150 UnterstützerInnen und NutzerInnen finanziert. Wassim Beltaief, Mitglied der BetreiberInnengruppe, berichtete über die Möglichkeiten, die die Nutzung eines nicht-kommerziellen Studios der MedienaktivistInnen und MusikerInnenszene der Stadt bietet. http://www.blech7es.org/

Im zweiten Panel stellten drei ägyptische Medieninitiativen, die alle im Verlauf der Revolution entstanden sind, ihre Arbeit vor. Das Videokollektiv Mosireen aus Kairo versucht mit seinen Videoreportagen und künstlerischen Filmen der Regierungspropanda entgegen zu wirken und die emanzipativen Kräfte zu stützen. Es bietet ferner die Möglichkeit eigene Filme zu machen und Training für Interessierte sowie eine Bibliothek mit Videomaterial aus den letzten zwei Jahren. http://mosireen.org/

Das Videokollektiv Kazeboon, ebenfalls aus Kairo, entstand aus einer Gruppe von Menschen ohne Medienerfahrung, die die Lügen des Militärapparates um Mubarak und Mursi nicht mehr ertrugen und mit ihren Videos fortan entlarvten. Die Gruppe veranstaltet öffentliche Vorführungen in entlegenen Stadtteilen und außerhalb Kairos um die Diskussion um die Lügen des Militärs vom Tahrir Platzes zu führen und weiter zu tragen. https://www.facebook.com/3askar.Kazeboon  http://www.youtube.com/3askarKazeboon https://twitter.com/3askarkazeboon

Radio tram aus Alexandria sendet als freies Radio im Internet, da auch in Ägypten eine FM Lizenz außerhalb des derzeit Möglichen für freie Radios liegt. Auch hier hat sich eine Gruppe von StudentInnen verschiedener Fächer zusammengetan, um die neu gewonnen Freiheiten zu nutzen und zu verteidigen, mit einem Schwerpunkt auf dem Ausdruck der kulturellen Vielfalt der Subkultur Alexandrias. http://www.radiotram.com/   https://www.facebook.com/radiotram
http://prezi.com/eezsiemvj4ib/online-radios-radio-tram/

Nach Beiträgen aus der Region des WSF 2013, dem postrevolutionären Tunesien und Ägypten, gab es im dritten und letzten Panel Beiträge aus West- und Zentralafrika, sowie Brasilien und Europa.

Victor Nzuzi Mbembe aus DR Kongo ist als Journalist in verschiedenen ländlichen Radiostationen, aber auch im nationalen Radio und Fernsehen tätig. Gleichzeitig lebt er als Bauer in einer Gemeinde in der Nähe Kinshasas und dient vielen in der Region als Sprachrohr für ihre Anliegen. Die Kritik an staatlich abgesegnetem Land Grabbing, an Korrpution im Staats- und Justizapparat und an der Intransparenz internationaler Verträge hat ihm viele Feinde im Land gemacht. Derzeit läuft ein Gerichtsverfahren gegen ihn, in dem die Staatsanwaltschaft zwanzig Jahre Haft fordert.

http://www.lepotentielonline.com/component/allvideoshare/video/congolais-telema-16-03-13-tele-7

Als nächste Sprecherin im dritten Panel berichtete Rita Freire von den Anfängen des Netzwerkes der Freien Medien im WSF Prozess. Rita, die zu vielen der Medienorganisationen der ersten Stunde gehört, bzw. sie mit aufgebaut hat, ist auch eine der BegründerInnen des „gemeinschaftlichen Journalismus“ über das WSF, als Ciranda inzwischen über Brasilien hinaus bekannt. http://www.ciranda.net/rubrique58. Sie ist ferner aktiv bei Arquimedia, einer Initiative zur Unterstützung der Medienarbeit von sozialen Organisationen https://twitter.com/AArquimedia und nicht zuletzt Mitbegründerin des Forums der Freien Medien sowie der brasilianischen “Freedom to express” Kampagne zur Änderung der nationalen Mediengesetzgebung http://www.article19.org.

Der nächste Referent im dritten Panel war Mahamadou Diarra von Radio Kayira, das im letzten Jahr sein zwanzig jähriges Bestehen feierte. Trotz diverser Attentate auf Journalisten des Senders – auch in diesem Jahr – und der Brandanschläge auf zwei Sendestationen im letzten Jahr, ist das Radio eine Institution in Westafrika, an der auch die Regierung, bzw. die ausländischen Militärs derzeit, nicht vorbei kommen. Das Radio arbeitet mit sozialen Basisbewegungen und Jugendorganisationen zusammen und versteht als „Stimme derer ohne Stimme“.

Der letzte Sprecher vom dritten Panel war Antonio Pacor aus Italien, der wesentlich für den Aufbau von World Social Forum TV www.wsftv.net verantwortlich ist. WSF TV entstand anlässlich des Global Action Day 2008, um den verschiedenen teilnehmenden Organisationen und Bewegungen in aller Welt ein Internetportal zur Videoberichterstattung zu bieten. Inzwischen hat die Plattform während Foren ca. 20.000 ViewerInnen und wird auch von Netzwerken wie La Via Campesina regelmäßig genutzt.

In der sich anschließenden Diskussion ging es um konkrete Formen der Weiterentwicklung des Netzwerkes der MedienaktivistInnen und mögliche gemeinsame Projekte. Ein anwesender Indymedia Aktivist der ersten Stunde sagte, dass die Konversion alternativer Medien ein noch schwierigeres Projekt sei, als die Kreation der freien Medien selbst. Ein wichtiger Schritt zur Konversion ist jedoch in diesem WSF erfolgt. Wir werden Euch über alles Weitere auf dem Laufenden halten.

Abends zeigten die Kairoer Videokollektive Kazeboon und Mosireen Videos aus den letzten zwei Jahren und boten einen Einblick in die Situation in Ägypten, wie ihn die Reden in den Seminaren kaum vermitteln konnten.